Insights/Publications
Eine Überlebensstrategie für die Schweizer Volkswirtschaft (Positionspapier)
May 2020

Testen und Einfrieren

Die wichtigste Massnahme ist auch aus ökonomischer Sicht eine grosse Investition in die Kapazitäten für Virus- und Antikörpertests sowie das Nachverfolgen der Kontakte von infizierten Personen («Contact Tracing»)
Ziel muss es sein, die Volkswirtschaft für die Dauer des Lockdowns in ihrem Vorkrisenzustand «einzufrieren», damit die eingespielten Wirtschaftsstrukturen der Schweiz erhalten und nach Aufhebung der Einschränkungen rasch wieder in Betrieb genommen werden können

Executive Summary

Das von allen Professorinnen und Professoren des Department of Economics am 26.3.2020 unterzeichnete Positionspapier fasst den gegenwärtigen Konsens der ökonomischen Debatte zusammen und zeigt Handlungsoptionen für die Schweiz auf.

Das Coronavirus hat die Welt im Griff. Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus haben bereits jetzt eine globale Wirtschaftskrise erheblichen Ausmasses hervorgerufen. Ziel dieses Beitrags ist es, unsere Sicht auf den Konsens zu beschreiben, der sich in der ökonomischen Disziplin nach intensiven Debatten über den Umgang mit der Krise abzeichnet, und herauszuarbeiten, was dies unserer Meinung nach für die Schweiz bedeutet. Dieser Konsens läuft im Wesentlichen auf zwei Schlussfolgerungen hinaus.

Testen
Erstens: Die derzeitige erhebliche Einschränkung der wirtschaftlichen Aktivität («Lockdown») ist richtig, um eine weitere exponentielle Verbreitung des Virus zu verhindern. Mittelfristig müssen Massnahmen ergriffen werden, die eine schrittweise Aufhebung dieser Einschränkungen möglich machen. Dabei ist die wichtigste Massnahme auch aus ökonomischer Sicht eine grosse Investition in die Kapazitäten für Virus- und Antikörpertests sowie das Nachverfolgen der Kontakte von infizierten Personen («Contact Tracing»). Die Kosten dafür sind gering im Vergleich zu den gewaltigen ökonomischen Kosten des Lockdowns. Ebenfalls wichtig sind weitere Investitionen in unser Gesundheitssystem, die es beispielsweise ermöglichen, mehr Erkrankte in den Spitälern zu behandeln. Ausgaben im Gesundheitsbereich haben auch eine unmittelbare positive und sich multiplizierende Auswirkung auf die Wirtschaftsleistung.

Einfrieren
Zweitens: Ziel muss es sein, die Volkswirtschaft für die Dauer des Lockdowns in ihrem Vorkrisenzustand «einzufrieren», damit die eingespielten Wirtschaftsstrukturen der Schweiz erhalten und nach Aufhebung der Einschränkungen rasch wieder in Betrieb genommen werden können. Bestehende Arbeitsverhältnisse müssen geschützt werden, und die Haushalte müssen in der Lage bleiben, ihre laufenden Lebenshaltungskosten zu finanzieren. Dafür hat sich das Instrument der Kurzarbeit in der Vergangenheit in Krisensituationen bewährt. Es wird in der derzeitigen Situation zurecht eingesetzt und ausgeweitet. Diese Strategie ist zielführender als nach dem Giesskannenprinzip Geld zu verteilen, denn das Hauptziel des Erwerbsersatzes ist das Vermeiden von finanziellen Notlagen und nicht eine Stimulierung der Konsumnachfrage. Unternehmen werden durch Kurzarbeit ebenfalls entlastet. Sie müssen aber in der Lage bleiben, auch weiteren Zahlungsverpflichtungen von fixen Kosten wie Mieten und Kreditraten nachzukommen. Die vom Bund eingesetzten Liquditätshilfen auf Kreditbasis sind wichtig, reichen aber nicht aus. Vor allem kleine Unternehmen sind häufig mit wenig Eigenkapital ausgestattet, so dass zusätzliche Kredite zu einer Überschuldung führen können. Dies wiederum kann Unternehmen davon abhalten, die angebotenen Hilfen überhaupt anzunehmen. Kredite können also die zumindest teilweise Übernahme von weiterlaufenden fixen Kosten, und bei kleineren Unternehmen auch des Lebensunterhalts der Inhaberinnen und Inhaber, durch den Staat nicht ersetzen. Die Bemessung von nicht rückzahlbaren Zuwendungen könnte auf Basis der bei den Steuerbehörden vorliegenden Jahresabschlüsse der letzten Jahre erfolgen.

Die Finanzierung der vorgeschlagenen Massnahmen sollte über eine vorübergehende Erhöhung der Staatsverschuldung erfolgen. Der Staatshaushalt der Eidgenossenschaft ist in sehr gutem Zustand, die Staatsschuldenquote ist mit rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im internationalen Vergleich beruhigend niedrig. Ein Land wie die Schweiz, das eine institutionell breit abgesicherte, glaubwürdige und langfristig tragfähige Finanzpolitik betreibt, kann für eine gewisse Zeit auch einen deutlich höheren Schuldenstand tragen, ohne dabei Nachteile wie etwa erhöhte Risikoaufschläge an den Finanzmärkten befürchten zu müssen. Eine monetäre Finanzierung über die Nationalbank würde hingegen mannigfaltige rechtliche und politische Probleme mit sich bringen.

Das von allen Professorinnen und Professoren des Department of Economics am 26.3.2020 unterzeichnete Positionspapier fasst den gegenwärtigen Konsens der ökonomischen Debatte zusammen und zeigt Handlungsoptionen für die Schweiz auf.

Das Coronavirus hat die Welt im Griff. Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus haben bereits jetzt eine globale Wirtschaftskrise erheblichen Ausmasses hervorgerufen. Ziel dieses Beitrags ist es, unsere Sicht auf den Konsens zu beschreiben, der sich in der ökonomischen Disziplin nach intensiven Debatten über den Umgang mit der Krise abzeichnet, und herauszuarbeiten, was dies unserer Meinung nach für die Schweiz bedeutet. Dieser Konsens läuft im Wesentlichen auf zwei Schlussfolgerungen hinaus.

Testen
Erstens: Die derzeitige erhebliche Einschränkung der wirtschaftlichen Aktivität («Lockdown») ist richtig, um eine weitere exponentielle Verbreitung des Virus zu verhindern. Mittelfristig müssen Massnahmen ergriffen werden, die eine schrittweise Aufhebung dieser Einschränkungen möglich machen. Dabei ist die wichtigste Massnahme auch aus ökonomischer Sicht eine grosse Investition in die Kapazitäten für Virus- und Antikörpertests sowie das Nachverfolgen der Kontakte von infizierten Personen («Contact Tracing»). Die Kosten dafür sind gering im Vergleich zu den gewaltigen ökonomischen Kosten des Lockdowns. Ebenfalls wichtig sind weitere Investitionen in unser Gesundheitssystem, die es beispielsweise ermöglichen, mehr Erkrankte in den Spitälern zu behandeln. Ausgaben im Gesundheitsbereich haben auch eine unmittelbare positive und sich multiplizierende Auswirkung auf die Wirtschaftsleistung.

Interview- und Medienanfragen an victoria.watts@econ.uzh.ch / 044 634 35 99
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Presse

  • Ökonomieprofessor warnt: «Es ist problematisch zu sagen, die Restaurantbesitzer haben halt Pech gehabt» Luzernerzeitung Interview mit David Dorn vom 2.5.2020 lesen

  • Eingebettete Experten Weltwoche vom 29.4.2020 lesen

  • Sean Hannity sehen und sterben The Market by NZZ vom 22.4.2020 lesen

  • Corona-Krise: So wollen Schweizer Ökonomen das Land vom Lockdown befreien NZZ Interview mit Ernst Fehr vom 11.4.2020 lesen

  • Wird aus der Marktwirtschaft nun eine Staatswirtschaft? SRF ECO Interview mit David Dorn vom 10.4.2020 lesen

  • Die Ökonomie des Todes Süddeutsche Zeitung vom 10.4.2020 lesen

  • Corona – A-fonds-perdu-Beiträge, nicht nur Kredite SRF ECO Interview mit David Dorn vom 6.4.2020 schauen

  • Wie die Volkswirtschaft überlebt Finanz und Wirtschaft Kommentar von David Dorn vom 6.4.2020 lesen

  • «Es darf niemand durch die Maschen fallen» Tachles Interview mit Dina Pomeranz vom 3.4.2020 lesen

  • Pandemien und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft ARD Interview mit Joachim Voth vom 3.4.2020 schauen

  • Location-Tracking statt Hausarrest: Die Welt nach Corona Vontobel Interview mit Joachim Voth vom 2.4.2020 lesen

  • Ein Herz für die Globalisierung Weltwoche Artikel vom 1.4.2020 lesen

  • «Der Wert eines Menschenlebens ist nicht unendlich gross» Tagesanzeiger Interview mit Ernst Fehr vom 1.4.2020 lesen

  • Wir könnten eine virtuelle Pestmauer bauen Spiegel Interview mit Joachim Voth vom 31.3.2020 lesen

  • Unternehmen wollen Gratisgeld vom Staat SRF vom 30.3.2020 lesen

  • Trotz etwas gebremster Verbreitung ist derzeit kein schnelles Ende des Lockdown in Sicht NZZ vom 29.3.2020 lesen

  • «Man kann nicht die Wirtschaft töten, um 10 Prozent dauerhaft vor einem Gesundheitsrisiko zu schützen» Handelszeitung Interview mit Joachim Voth vom 28.3.2020 lesen

  • Strukturen einfrieren – und dann testen, testen, testen Handelszeitung vom 28.3.2020 lesen

  • Was geht vor, Gesundheit oder Wirtschaft? Der Bund vom 28.3.2020 lesen

  • Coronavirus: Acht Ideen, wie wir den Lockdown doch etwas schneller überwinden könnten NZZ vom 28.3.2020 lesen

  • Bundesrat Ueli Maurers Milliardenhilfe in Corona-Zeiten SRF Samstagsrundschau vom 28.3.2020 hören

  • David Dorn: Interview mit Schawinski Radio 1 vom 27.3.2020 hören

  • «Ist es ökonomisch sinnvoll, Junge einzusperren, um Ältere zu schützen? Diese Frage wird kommen» Cash vom 27.3.2020 lesen

  • «Unwiderruflicher Schub» – Krise krempelt Wirtschaft um Bluewin Interview mit Ernst Fehr vom 27.3.2020 lesen

  • Was die Ökonomen empfehlen Tagesanzeiger vom 26.3.2020 lesen

  • Coronavirus: Ökonom fordert repräsentativen Test NZZ Video Interview mit Ernst Fehr vom 21.3.2020 schauen

  • «Für die Schweiz bin ich optimistisch» Tagesanzeiger vom 21.3.2020 lesen

  • Reisen und Handeln in Zeiten der Epidemie Finanz und Wirtschaft Kommentar von Joachim Voth vom 2.3.2020 lesen

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Unterzeichnende

Alle Professorinnen und Professoren des Department of Economics der Universität Zürich unterstützen dieses Positionspapier.

Carlos Alós-Ferrer, NOMIS Professor for Decision and Neuroeconomic Theory | Sandro Ambühl, UBS Foundation Assistant Professor of Behavioral Economics of Financial Markets | Björn Bartling, Professor of Behavioral and Experimental Economics | Pietro Biroli, UBS Foundation Assistant Professor of Applied Economics | Theodora Boneva, Assistant Professor of Economics of Child and Youth Development, endowed by the Jacobs Center for Productive Youth Development | Anne Brenøe, Larsson-Rosenquist Foundation Assistant Professor of Child and Youth Development with a focus on breastfeeding | Lorenzo Casaburi, Swiss Re Foundation Assistant Professor of Development Economics | Gregory Crawford, Professor of Applied Microeconomics | David Dorn, UBS Foundation Professor of Globalization and Labor Markets | Christian Ewerhart, Professor of Information Economics and Contract Theory | Ernst Fehr, Professor of Microeconomics and Experimental Economic Research | Todd Hare, Associate Professor of Neuroeconomics and Human Development | David Hémous, UBS Foundation Associate Professor of Economics of Innovation and Entrepreneurship | Mathias Hoffmann, Professor of International Trade and Finance | Nir Jaimovich, Professor of Economics | Damian Kozbur, Assistant Professor of Econometrics | Guilherme Lichand, Assistant Professorship for Child Well-Being and Development, supported by UNICEF Switzerland | Michel Maréchal, Professor of Economics of Organizations and Behavior | Nick Netzer, Professor of Microeconomics | Ralph Ossa, Kühne Foundation Professor of International Trade | Dina Pomeranz, UBS Foundation Assistant Professor of Applied Economics | Marek Pycia, Professor of Organizational Economics | Christian Ruff, Professor of Neuroeconomics and Decision Neuroscience | Florian Scheuer, UBS Foundation Professor of Economics of Institutions | Armin Schmutzler, Professor of Microeconomics, Industrial Organization, and Environmental Economic | Jakub Steiner, Associate Professor of Microeconomic Theory, | Philippe Tobler, Associate Professor of Neuroeconomics and Social Neuroscience | Joachim Voth, UBS Foundation Professor of Macroeconomics and Financial Markets | Roberto Weber, Professor of the Economics of Corporate Culture, Business Ethics and Social Responsibility endowed by Credit Suisse | Rainer Winkelmann, Professor of Statistics and Empirical Economic Research | Ulrich Woitek, Professor of Economic History | Michael Wolf, Professor of Econometrics and Applied Statistics | David Yanagizawa-Drott, Professor of Development and Emerging Markets | Ulf Zölitz, Assistant Professor of Economics of Child and Youth Development, endowed by the Jacobs Center for Productive Youth Development | Josef Zweimüller, Professor of Macroeconomics and Labor Markets.

Alle Professorinnen und Professoren des Department of Economics der Universität Zürich unterstützen dieses Positionspapier.

Carlos Alós-Ferrer, NOMIS Professor for Decision and Neuroeconomic Theory | Sandro Ambühl, UBS Foundation Assistant Professor of Behavioral Economics of Financial Markets | Björn Bartling, Professor of Behavioral and Experimental Economics | Pietro Biroli, UBS Foundation Assistant Professor of Applied Economics | Theodora Boneva, Assistant Professor of Economics of Child and Youth Development, endowed by the Jacobs Center for Productive Youth Development | Anne Brenøe, Larsson-Rosenquist Foundation Assistant Professor of Child and Youth Development with a focus on breastfeeding | Lorenzo Casaburi, Swiss Re Foundation Assistant Professor of Development Economics | Gregory Crawford, Professor of Applied Microeconomics | David Dorn, UBS Foundation Professor of Globalization and Labor Markets | Christian Ewerhart, Professor of Information Economics and Contract Theory | Ernst Fehr, Professor of Microeconomics and Experimental Economic Research | Todd Hare, Associate Professor of Neuroeconomics and Human Development | David Hémous, UBS Foundation Associate Professor of Economics of Innovation and Entrepreneurship | Mathias Hoffmann, Professor of International Trade and Finance | Nir Jaimovich, Professor of Economics | Damian Kozbur, Assistant Professor of Econometrics | Guilherme Lichand, Assistant Professorship for Child Well-Being and Development, supported by UNICEF Switzerland | Michel Maréchal, Professor of Economics of Organizations and Behavior | Nick Netzer, Professor of Microeconomics | Ralph Ossa, Kühne Foundation Professor of International Trade | Dina Pomeranz, UBS Foundation Assistant Professor of Applied Economics | Marek Pycia, Professor of Organizational Economics | Christian Ruff, Professor of Neuroeconomics and Decision Neuroscience | Florian Scheuer, UBS Foundation Professor of Economics of Institutions | Armin Schmutzler, Professor of Microeconomics, Industrial Organization, and Environmental Economic | Jakub Steiner, Associate Professor of Microeconomic Theory, | Philippe Tobler, Associate Professor of Neuroeconomics and Social Neuroscience | Joachim Voth, UBS Foundation Professor of Macroeconomics and Financial Markets | Roberto Weber, Professor of the Economics of Corporate Culture, Business Ethics and Social Responsibility endowed by Credit Suisse | Rainer Winkelmann, Professor of Statistics and Empirical Economic Research | Ulrich Woitek, Professor of Economic History | Michael Wolf, Professor of Econometrics and Applied Statistics | David Yanagizawa-Drott, Professor of Development and Emerging Markets | Ulf Zölitz, Assistant Professor of Economics of Child and Youth Development, endowed by the Jacobs Center for Productive Youth Development | Josef Zweimüller, Professor of Macroeconomics and Labor Markets.

Interview- und Medienanfragen

Head of Communication, Department of Economics
Victoria Watts
Head of Communication, Department of Economics
Victoria Watts